Warum bin ich so intelligent?

November 4, 2016

Feine Kritik im franzmagazine 

 

 

von Ingrid Dietl

 

Bereits die ersten zehn Minuten sind hervorragend gespielt, sodass ich zum einen sehr positiv überrascht bin und mir zum anderen denke, dass es sich jetzt schon gelohnt hat, egal was jetzt noch kommen mag. 

 

Vollgeladen ist dieses Stück mit allem rund ums Frausein. Klischees werden bedient und aufgezeigt, dann ist es wiederum überaus provokativ, derb oder hoch anspruchsvoll. Auf ausgesprochen unterhaltsame Weise spielen Alev Irmak, Julia Kronenberg und Teresa Waas unterschiedliche Situationen aus dem Leben der Frau, treffen dabei immer wieder den Nagel gekonnt auf den Kopf, sind mal hoch feministisch unterwegs, dann wieder mächtig machomäßig.  

 

Mächtig viele Fragen, die sich die drei Frauen stellen: Wann kommt die sexuelle Erfüllung? Wie stehe ich zu meiner Cellulite? Will ich lieber einem anderen Geschlecht angehören? Wie emanzipiert bin ich? Warum bekomme ich meine Regel nicht? Will ich Kinder? Wie viel verdiene ich? Ist das noch Thema? Ach ja. Bin ich aggressiv oder schon solidarisch? Bin ich zu dick? Bin ich zu dünn? Wann kommt der Prinz? Wie spät ist es? Wie alt bin ich? Bin ich zu alt? Bin ich zu jung? Natürlich will ich Kinder! WHAT HAPPENED TO MY BEAUTY? Warum bin ich so intelligent? Warum habe ich so viele Gefühle? Will ich noch ein Bier? Blöde Frage.   

 

Abwechslungsreich geht es durch dieses Stück, das gespickt ist von derben wie anspruchsvollen Dialogen. Die drei Darstellerinnen (meiner Meinung nach, jede für sich genial) begeistern mit facettenreichem Schauspiel, sind dabei so authentisch wie vielseitig und ziehen den roten (Menstruations-) Faden des Frauseins, der sich auch dezent in ihrem Outfit als rotes Accessoire zeigt, im Stück von Anfang bis zum Ende durch. 

Das Bühnenbild ist so einfach wie gelungen; Soundeffekte und andere überraschende Inszenierungen halten das Publikum bei Laune. Der Abend ins immer wieder zum Lachen komisch. Ich bin begeistert von diesem Stück unter der Regie von Elke Hartmann, das die Saison im Theater praesent eröffnet. 

Beim Ticketpreis wird übrigens auf die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau hingewiesen [Unverbindliche Preisempfehlung: € 17,44 (Männer) | € 14,56 (Frauen)* – *Laut Statistik Austria liegt das Bruttojahreseinkommen der Frauen 18,0% unter jenem der Männer.] 

 

Weitere Vorstellungen: FR 4.11. | SA 5.11.2016 jeweils um 20 H im Theater praesent in der Jahnstraße 25 in Innsbruck. 

 

Foto: Theater praesent

 

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© Julia Kronenberg

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